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Die Lage im Irak – Dezember 2020

Die Rückkehr der Binnenvertriebenen ist grundsätzlich gut – die Sicherheitslage jedoch nicht

Quelle: IOM (bearbeitet)

Während der IS-Herrschaft zwischen 2014 und 2017 wurden etwa sechs Millionen Menschen im Irak vertrieben. Eine Million von ihnen sind immer noch nicht in ihre Heimatregionen zurückgekehrt. Die irakische Ministerin für Einwanderung und Flüchtlinge, Ivan Jabru (eine Christin), hat begonnen, die im Oktober von der Regierung geplante Schließung aller Binnenvertriebenen-Lager umzusetzen. Die religiösen Minderheiten sind davon – je nach Region – unterschiedlich betroffen.

Die Rückkehr in die (überwiegend christliche) Ninive-Ebene, im Gegensatz zur (überwiegend jesidischen) Region Sinjar, wird durch folgende Faktoren erleichtert:

• Der Grad der Zerstörung ist geringer.
• Die persönliche und kollektive Sicherheitslage ist zwar nicht optimal, aber besser.
• Es ist eine einigermaßen funktionierende öffentliche Verwaltung vorhanden.

Quelle: Wikipedia (bearbeitet)

In der Region Sinjar konkurrieren irakische Armee, Hashd Al-Shaabi (vom Iran unterstützte schiitische Miliz), kurdische Peschmerga, kurdische PKK, jesidische Milizen und IS-Zellen um die Vorherrschaft. Das macht die Sicherheitslage sehr instabil.

Die Präsenz der Hashd Al-Shaabi in vielen Orten der Ninive-Ebene hat ebenfalls ein großes Gefahrenpotential. Sie garantiert zwar Sicherheit, folgt aber an vielen Stellen einer schiitische Agenda. Ihre Einflussnahme in Verwaltung und Wirtschaft führt z.B. im nordirakischen Bartella dazu, dass die Wirtschaftskraft im christlichen Teil schwach ist und bleibt, während Schiiten von iranischen Parteien finanziell gefördert werden. Auch werden christliche und jesidische Führungskräfte durch schiitische ersetzt. Diese Aktivitäten fördern das Unsicherheitsempfinden der religiösen Minderheiten, das eines der Hauptfluchtursachen ist.

Seit vielen Jahren müssen zehntausende Jesiden in Camps leben und können ihre heiligen Stätten nicht besuchen. Christen sind zumeist in christlichen Dörfern untergebracht, leben aber doch in einer Diaspora-Situation fern von ihrer Heimat. Deshalb werden die Rückkehraktivitäten trotz allem als gut bewertet, denn sie stärken die kollektive Identität und bringen Menschen “nach Hause”.

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