Fotoalbum: Unsere 7. Irakreise im März 2020

Menschen zwischen Perspektivlosigkeit und Hoffnung.
Wen wir trafen und was sie uns berichteten.

Die Reiseteilnehmer der ojcos-stiftung (v.l.n.r.): David Müller, Politischer Fürsprecher für Religionsfreiheit im Irak; Rahel Rasmussen, Kuratoriumsmitglied; Michael Wolf, stellvertretender Vorsitzender.

Sehr guter Austausch mit Sven Krauspe, dem stellvertretenden deutschen Generalkonsul in Erbil. Er betont, dass militärisches und wirtschaftliches Engagement aus Deutschland weiterhin vor Ort wichtig ist und auch nachdrücklich gewünscht wird. Unser Land geniesst eine hohe Sympathie.

Abrs Youkhanna, Bischof von Erbil der Assyrischen Kirche des Ostens, freut sich sehr über unseren Besuch. Die Situation der Christen ist nach wie vor sehr unterschiedlich. Während in Erbil Forderungen nach rechtlicher Gleichstellung betont werden, haben Gläubige in der Ninive-Ebene oft Angst um ihr Leben.

„Wer die Kirche im Irak erhalten will, sollte nicht ihre Gebäude renovieren, sondern die Grundbedürfnisse der Christen stillen!“ Srood Maqdasy, ehemaliger christlicher Abgeordneter des kurdischen Parlaments, zeigt uns klar auf an welchen Stellen die Unterstützung der Christen im Land sehr einseitig erfolgt.

Seham Sarah und Mikhael Benjamin trainieren junge Menschen, um als politische Fürsprecher für die Anliegen der Minderheiten einzutreten. Eine sehr gute, langfristige Investition in die Zukunft, die Hilfe zur Selbsthilfe leistet. Wir haben eine enge Partnerschaft mit ihnen und freuen uns über weitere Zusammenarbeit!

Es ist immer wieder gut, sich mit Lara Yousif Zara, der christlichen Bürgermeisterin von Alqosh zu treffen. Sie engagiert sich stark, um den Menschen eine Perspektive zu geben, dass sie im Land bleiben. Tourismus ist ein guter Ansatzpunkt. Obwohl es hier das Grab des biblischen Propheten Nahum sowie das im 7. Jahrhundert v. Chr. gegründete Kloster Rabban Hormizd (unteres Bild) gibt, existieren weder ein Hotel noch Fremdenführer in der Stadt. Diese Situation ändert sich zurzeit – auch durch deutsche Hilfe!

Es ist eine sehr besondere Erfahrung, mit unserem Freund Amer Seido, Mitglied der jesidischen Prinzenfamilie, Lalish zu besuchen. Er gibt uns aussergewöhnliche Einblicke in das wichtigste Heiligtum der Jesiden. Er bedauert die Auswanderung seiner Landsleute sehr, da die Nähe zu Lalish für das jesidische Leben nicht ersetzbar sei.

„Bitte investiert nicht nur in humanitäre Hilfe sondern befähigt einheimische Organisationen zu einer wirkungsvollen Zukunftsgestaltung unseres Landes! Macht in der Politik auf uns aufmerksam und helft uns, uns selbst zu helfen!“, fordert Emanuel Youkhana, Erzdiakon und Leiter des einheimischen Hilfswerks CAPNI.

Fuad Nowroz ist der erste Kakai (Ahl-e Haqq), den wir kennenlernen. Er erklärt uns die Geschichte dieser religiösen Minderheit, ihre Unterdrückung unter Saddam Hussein und ihre Verfolgung durch den IS. Dass ihre Hauptsiedlungsgebiete an der Grenze zum Iran liegen, macht ihre Situation nicht einfacher.

Die beiden Erzbischöfe von Mossul (oben: Najeeb Michaeel Moussa, chaldäisch-katholische Kirche; unten: Nikodemus David Sharaf, syrisch-orthodoxe Kirche) schätzen unser Engagement und unsere regelmäßigen Besuche im Land sehr. Obwohl sie die Realität der Menschen nicht verleugnen und die Sicherheitslage in Mossul noch sehr schlecht ist, vermitteln sie mit großer Überzeugung Glauben, Hoffnung und Zukunft.

Farouq Muhamad (2. von links), Richter und Gründer der Anti-Corruption Chalang Organization, sowie weitere Mitglieder der Organisation suchen den Kontakt zu uns. Gemeinsam ist uns klar, dass werteorientierte Bildung ein wichtiger Faktor für ein gutes Zusammenleben ist.

„Die Stabilität in der Region ist für alle das Wichtigste.“ Hoshyar Siwaily, Leiter der internationalen Beziehungen der Demokratischen Partei Kurdistans, ist sehr dankbar für das deutsche Engagement. Die kurdische Regionalregierung braucht dieses auch weiterhin, um den Exodus zu stoppen, die öffentliche Verwaltung zu stärken und die Armee auszubilden.

Trotz Corona-Sondersitzungen ist unseren christlichen Freunden in der irakischen Politik ein Treffen mit uns wichtig und möglich: Ano Abdoka (2. von links), Minister für Transport und Kommunikation der kurdischen Regionalregierung; Hoshyar Yalda (3. von rechts), Abgeordneter des irakischen Parlaments und Janan Jabar Boya (2. von rechts), Abgeordneter des kurdischen Regionalparlaments. Die Situation in der Ninive-Ebene besorgt sie sehr. Ein Ende des Einflusses der Milizen und ein sicheres Territorium für Minderheiten seien hier die wichtigsten politischen Aufgaben. Sie sehen sich als selbstverständlicher Teil der Region: „Was wir hier erhalten ist kein Geschenk, sondern ein Recht. Wir haben mit den Kurden gemeinsam gekämpft und gemeinsam gelitten.“ Aber sie sind dabei sehr realistisch: „Wir müssen mit dem Umgehen was wir haben, nicht mit dem was wir hatten! Früher (im Assyrischen Reich) hatten wir militärische Stärke, heute brauchen wir Verbündete.“

Eindrucksvoller Abschluss unserer Reise ist ein Treffen im kurdischen Religionsministerium. Khalid Jamal Alber (2. von rechts), Generaldirektor für christliche Angelegenheiten, und Mariwan Naqshbandi (ganz links), Verantwortlicher für Religionsfreiheit und sozialen Frieden, bestätigten uns nachdrücklich die Wichtigkeit unseres Einsatzes für Religionsfreiheit. Sie geben uns Einblick in die deutlichen Bemühungen der kurdischen Regionalregierung bei diesem Thema und wünschen sich weitere enge Zusammenarbeit mit uns.

Im Zentrum von Erbil vor der Zitadelle aus dem 5. Jahrtausend vor Christus, einem der ältesten durchgängig bewohnten Orte der Welt, ist für uns klar: Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass Christen, Jesiden und religiöse Minderheiten im Irak eine Perspektive auf ein versöhntes Leben in Würde und Sicherheit haben. Und wir werden wiederkommen!

Bisherige Reiseberichte: