Baustelle Zukunft!

erstellt von Cornelia Geister und Birte Undeutsch

21. Juli 2014 // Zehn Jahre ojcos-stiftung. Interview mit Joachim Hammer, Stiftungsvorstand

Die ojcos-stiftung ist zehn Jahre alt. Was war das letzte Highlight?

Anlässlich des zehnten Stiftungsjahrs haben wir den ojcos-Stiftungspreis ins Leben gerufen. Er soll an Menschen gehen, die sich in besonderer Weise um christliche Werte, interkulturelles Lernen und Völkerverständigung verdient gemacht haben. Erster Preisträger ist Ilan Brunner aus ­Israel. Er hat eben seinen 80. Geburtstag gefeiert. Ihn hat die ojcos-stiftung für sein Engagement für Versöhnung  zwischen Juden und Deutschen ausgezeichnet. Nach seiner Pensionierung hatte Ilan mit seiner Frau Esti das Projekt „Disraelis“ gegründet. Für israelische Opfer von Krieg und Terror organisierte er Reisen nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Inzwischen haben 1 000 junge Israelis, die durch Anschläge oder Militäreinsätze verletzt und traumatisiert wurden, eine Auszeit vom Terror erlebt. Vor allem für die jungen Männer und Frauen der OJC-­Jahresmannschaft waren die Begegnungen ­besondere Erfahrungen und Ilan ist uns ein ­echter Freund geworden.


Wie hängen OJC und ojcos-stiftung zusammen?

Irmela Hofmann, die zusammen mit ihrem Mann Horst-Klaus die OJC gründete, hatte immer den Wunsch, ein Instrument zu schaffen, das nachhaltig hilft, die vielfältigen Dienste der OJC zu finanzieren. Außerdem sollten Ruheständler, die im missionarisch-diakonischen Bereich auf Taschengeldbasis tätig waren, auch bei niedrigen Renten im Alter ein angemessenes Auskommen haben. Ein Jahr nach ihrem Tod konnte die OJC mit 250.000 Euro aus dem Nachlass unseres Freundes Marcel Wyss die Stiftung gründen.

Wer war Marcel Wyss?

Marcel war ein besonderer Förderer unserer ­Gemeinschaft – er liebte das Zusammenleben mit Jungen und Alten. Da er keine eigene Familie hatte, sich der OJC ganz zugehörig fühlte und hier ein Zuhause fand, hat er uns sein gesamtes Vermögen vererbt. Das war ein ganz unerwar­teter Segen für uns.


„ojcos“ soll also was genau bedeuten?

Das  griechische Wort oikos heißt so viel wie Haus oder Gebäude. Davon leiten sich auch die Begriffe für Ökonomie, Ökologie und Ökumene ab. In der Bibel steht oikos für das „Haus Gottes im Geist“ (Eph 2, 22), für die lebendige und ­gelebte Gemeinschaft in Christus, die barm­herzig, nachhaltig und innovativ wirkt. Diese Erfahrung wollen wir durch die Arbeit der ojcos-stiftung weitergeben, ganz im Sinn von Irmelas Wahlspruch: „Liebe ist die einzige Währung, die im Himmel noch gültig ist.“



Das klingt sehr schön, was heißt es aber praktisch?

Unsere Stiftungsarbeit hat im Wesentlichen drei Schwerpunkte: Hilfen zum Lebensunterhalt für kommunitär lebende Mitarbeiter im Ruhestand, Förderung von Ehe und Familie sowie weltweite Projekte, insbesondere für Straßenkinder und Ausbildung von benachteiligten Jugendlichen in Manila und St. Petersburg. Wir staunen und sind dankbar, dass wir aus Kapitalerträgen und Spenden ihre vielfältigen Zwecke bisher mit über einer Million Euro fördern konnten.

Die Stiftung tut schon viel. Wozu braucht sie noch mehr Geld?

Wir sehen einen stark wachsenden Bedarf, ­besonders bei den Beihilfen für Rentner und den missionarischen Projekten. Um dafür genügend Mittel zu haben, muss das Vermögen aufgestockt werden. Im Jubiläumsjahr möchten wir um ­beherzte weitere Zustiftungen bitten. Eine Stiftung lebt von – oder besser – für Nachhaltigkeit. Sie ist langfristig angelegt und wirkt segensreich über Jahrhunderte hinweg. Der ojcos-stiftung ist – ebenso wie der OJC – ein Satz von Bonhoeffer­ wichtig: „Die letzte verantwortliche Frage ist nicht, wie ich mich heroisch aus der Affäre ziehe, sondern wie eine kommende Generation weiterleben soll.“ Dafür suchen wir ­Mitstreiter. Wer Stiftungen unterstützt, übernimmt konkret Verantwortung für die nächsten Generationen. Er sorgt vor, dass die Werte, die ihm heute wichtig sind, auch in Zukunft verwirklicht werden. Sehr wirksam gelingt das durch Legate und Erbschaften.


Was ist der Unterschied zwischen Erbschaften und Legaten?

Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt die gesetzliche Erbfolge. Der Erbe oder die Erbengemeinschaft ist der Rechtsnachfolger. Er erbt den gesamten Besitz, das Vermögen und auch die Verpflichtungen. Will der Erblasser seinen Besitz anders verteilen, muss er das in einem Testament ­regeln. Das ist sinnvoll, wenn er einen anderen Menschen bedenken möchte oder wenn er das, was ihm selbst im Leben wichtig war – z. B. sein jahrelang gelebtes missionarisches und diako­nisches Engagement – über seine Lebenszeit hin­aus fortsetzen möchte. Im Testament kann man einem bestimmten Menschen einen Teil seines Vermögens vermachen. Das sind Vermächtnisse­ oder Legate. Man kann in seinem Testament auch festlegen, dass ein Teil des Vermögens einer kirchlichen oder gemeinnützigen Organisation zugute kommt. Manche hinterlassen Legate an zwanzig Werke. Wir freuen uns, wenn wir eines davon sind.

Wie macht man ein Testament, das Hand und Fuß hat?

Um ein Testament aufzusetzen, ist die einfach­ste Form, es eigenhändig zu schreiben. Es muss von Anfang bis Ende mit der Hand geschrieben und mit Vor- und Zunamen unterschrieben sein. Das Testament sollte die Adresse des Erblassers enthalten und das Datum, an dem es geschrieben wurde. Wenn eine Immobilie vorhanden ist, empfiehlt es sich, von einem Notar ein Testament aufsetzen zu lassen. Die Gebühren dafür sind gering. Für Fragen im Zusammenhang mit einem Testament stehen Mitarbeiter der ojcos-stiftung gern zur Verfügung

Sind neben Erbschaften und Vermächtnissen auch Schenkungen möglich?

Ja. Kürzlich löste ein Brief bei uns große Freude aus. Eine langjährige Spenderin schrieb, sie wolle uns – noch zu Lebzeiten – einen Teil ihres Vermögens schenken. Kinder habe sie keine. Deshalb wolle sie etwas für das Reich Gottes tun und noch miterleben, wie viel Gutes mit dem Geld ­geschieht. Dazu kann ich nur Halleluja sagen. Wir konnten sie beraten, denn durch ihre Zustiftung kann sie zehn Jahre lang Steuern sparen, zusätzlich zu den Spenden.

Die Fragen stellten Cornelia Geister und Birte Undeutsch.